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Kategorie: Kindheitserinnerungen

Als ich neun war, zogen wir in einen anderen Stadtteil um und ich musste die Schule wechseln. Jeden Morgen hatte ich Magenschmerzen, bevor ich in die Schule ging, und ich konnte nicht frühstücken. Meine Mutter erkannte, dass meine Schmerzen eine unmittelbare Folge meiner Furcht vor der neuen Umgebung waren. Sie sprach mir Mut zu, dass ich bald neue Freunde finden würde und dass meine Schulnoten nicht so wichtig waren. Ein paar Tage später war mein Magen wieder OK.

Eine Freundin erzählte mir von diesem Projekt, in dem es um Geschichten aus der Kindheit geht. Ich habe nun ein paar von den Geschichten gelesen und musste dabei an meine eigene Kindheit denken. Meine Großmutter wohnte bei uns im Haus, wir hatten ein großes Haus auf dem Land, und nachdem mein Großvater gestorben war, zog sie in ein Zimmer im ersten Stock ein. Dort saß sie am Abend oft, hörte Radio, strickte oder las. Oft ging ich nach dem Abendessen zu ihr, denn es gefiel mir in dem Zimmer. Sie begann dann meist aus ihrem Leben zu erzählen, und sie hatte ein langes Leben und hatte viel zu erzählen. Sie hatte zwei Weltkriege miterlebt, Flucht und Vertreibung, zwei ihrer Kinder starben schon, als sie ganz klein waren. Und doch wirkte meine Großmutter nicht verbittert, sondern gütig, und oft lächelte sie auch in sich hinein, wenn sie eine ihrer Erinnerungen auffrischte. So erfuhr ich viel über die frühere Zeit, und auf mich als Kind machten diese Geschichten ungeheueren Eindruck.

Ich bin nun schon seit Jahren Erzieherin in einem großen Kindergarten und habe angeregt, einmal in der Woche eine Erzählstunde zu veranstalten. Dann sitzen wir Erzieherinnen und die Kinder zusammen, und wer möchte, erzählt etwas, was er erlebt hat. Die Kinder, auch die lebhaften, sind in diesen Stunden ganz ruhig und hören andächtig zu. Und ich muss immer wieder an meine Großmutter denken und daran, wie wir abends in ihrem Zimmer beieinander saßen.

Marianne, 48, Erzieherin

2011 31 Mrz

Unsere Stimmen!

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Eine Aula in einer Grundschule, vor vielen vielen Jahren… an einem Nachmittag in den sechziger Jahren. Der Schulleiter, ein strenger, großer dunkler Lehrer erteilte den Drittklässlern die Erlaubnis, in der leeren Aula zu singen. Ich sang mit Tuula, meiner besten Freundin. Ich erinnere mich nicht mehr, welches Lied es war. Bevor wir anfingen zu singen, schaltete der Schulleiter den Rekorder ein. Der Gesang endete und nach einer Weile füllten klare Mädchenstimmen die Aula. Welches Wunder, welche Freude! Unsere Stimmen!

Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit, weil ich wirklich schöne Erinnerungen habe. Wir lebten im selben Haus mit meinen Großeltern zusammen, sodass ich mich so oft wie möglich zu meiner Großmutter schlich, die immer etwas Interessantes tat.
Die schönsten Augenblicke waren im Winter, wenn sie im Ofen Feuer machte, Bohnen enthülste oder an der alten Nähmaschine saß und etwas nähte. In diesen Augenblicken hatte sie Zeit, Geschichten zu erzählen. Wir Kinder klettern auf den Ofen und hörten ihr gerne zu, weil sie manchmal einen Teil der Geschichte neu erfand. Wir wussten das, aber wir unterbrachen sie nicht, und baten sie immer wieder, uns eine Geschichte über den „fetten Knaben, der alles aß“ zu erzählen, oder...
Ich erinnere mich noch immer an diese Geschichten, und mir ist die Vorliebe dazu geblieben, Geschichten „mit dem Mund“ zu erzählen, wie es ein Kind in meiner Gruppe einmal gesagt hat.


Nata_a Majhen

2011 28 Mrz

Landkarte

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Wir haben mit meinen Eltern den ganzen slowenischen Wanderweg bewandert und viele schöne Orte in Slowenien besucht. In der Schule hatten wir dann einen Erdkundetest, mit einer Übung, in der man einige berühmte Orte (die Hauptstadt, Triglav, Koper usw.) auf der Karte von Slowenien eintragen sollte. Meine Eltern waren enttäuscht, weil ich die Orte, die wir besucht hatten, an den falschen Stellen angebracht hatte (zum Beispiel Triglav, den höchsten Gipfel in Slowenien, am Meer).


Wir haben mit unseren Kindern schon einige dieser Orte besucht – aber jetzt habe ich eine Landkarte im Auto, auf der wir die Orte markieren, die wir besuchen, und welchen Weg wir gefahren oder gewandert sind, damit unsere Kinder sich besser auf der Karte orientieren können.


Knez Alenka

Eine Erinnerung aus meiner Kindheit, die aus meinem letzten Jahr in der Vorschule stammt, hat mit der Unmöglichkeit zu tun, an einem didaktischen Moment teilzunehmen, das im Herbst von den Vorschullehrern gefördert wird.
Es handelte sich dabei um das Auspressen von Weintrauben mit nackten Füßen. Diese Aktivität wurde dazu entwickelt, Kindern verständlich zu machen, wie aus einer typischen Herbstfrucht, den Weintrauben, Wein gewonnen wird. Die Unmöglichkeit, direkt an dieser Aktion teilzunehmen und meine Gegenwart lediglich als Beobachterin – weil sich meine Eltern unberechtigte Sorgen um meine Gesundheit machten – machte mich sehr unglücklich, und ich erinnere mich deutlich daran, wie ich auf einer Kiste saß und den anderen Kindern zusah, die teilnehmen durften.


Federica Pennisi, Erzieherin in einem Kindergarten, 26, Italien

Ich erinnere mich mit Freude und Nostalgie an meine Großeltern väterlicherseits. Ich erinnere mich daran, dass ich fast den ganzen Tag bei ihnen verbrachte – meine Oma war eine sehr gute Köchin, und wenn ich bei ihnen zu Mittag aß, machte sie eine besondere Pasta mit Zucchini und Tomaten – sie wusste, wie sehr ich die mochte!
Ich sah ihr gerne beim Kochen zu und sie erzählte mir dabei vom Krieg und wie sie gelitten hatten. Sie sagte mir, dass es schwer war, zu jener Zeit zu leben, weil sie nicht genug zu essen hatten. Mein Opa wurde „geschnappt“ und nach Deutschland gebracht. Er arbeitete als Gefangener für die Deutschen und wurde dazu gezwungen, Reste zu essen (Kartoffelschalen). Meine Oma musste auf dem Feld arbeiten, um die Kinder großzuziehen. Ich erinnere mich daran, dass sie jedes Mal, wenn ich murrte, dass ich das Gemüse nicht mag, zu mir sagte: „Du solltest im Krieg gelebt haben. Da hättest du sogar die Schalen gegessen.“


Vorschullehrerin, 30, Italien

Obwohl mein beruflicher Werdegang sehr kurz ist, finde ich es sehr interessant, ihn mit euch zu teilen. Ich bin Sonderschullehrerin und Schulpsychologin und im Augenblick Teil einer Gruppe Lehrer aus dem Bereich der nicht-formalen Bildung. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch nach und nach erzählen werde.
Meine erste Erfahrung mit Kindern war als Teil eines Freiwilligeneinsatzes in einem Verein für autistische Kinder, und das war tatsächlich eine in jeder Hinsicht bereichernde Erfahrung. Mit neunzehn war das eine große Bewährungsprobe, bei der ich meine echte Berufung entdeckte, und wie befriedigend es Tag für Tag ist, Lehrerin zu sein. Mit dieser Gruppe Kinder sammelte ich meine ersten Erfahrungen im Übermitteln, Lehren und Unterrichtet werden, und machte die wunderbare Erfahrung der Beziehung, die im Klassenzimmer entsteht.
Aus dieser ersten Erfahrung ergaben sich viele Erfahrungen in verschiedenen Bereichen, sowohl im formellen Bereich mit Universitätspraktiken als auch in der nicht-formalen Bildung: zu forschen und von jedem Kind zu lernen, vor allem Unterschiede und Individualitäten anzuerkennen und [Kindern] eine Entwicklung als einzigartige und nicht reproduzierbare Menschen zu ermöglichen.


Grüße an alle aus Cádiz (Spanien).


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