Leon kam eines Morgens ganz verweifelt in den Kindergarten. Sonst hatte er immer einen kleinen Stoffhund bei sich, den er Wuffel nannte, aber an diesem Tag fing er gleich zu weinen an, als ich ihn fragte, wo er Wuffel gelassen hätte. "Ich hab ihn verloren, gestern auf dem Spielplatz. Meine Mama und ich haben ihn gesucht, aber er war einfach weg."
Meine Kollegin Kathrin versuchte ihn zu trösten und gab ihm einen Teddy in die Hand, aber Leon warf ihn auf den Boden und schmollte weiter. Da fing sie an "Vielleicht ist der Wuffel ja verreist". Leon schaute sie ungläubig an. - "Ja, ich glaube, er wollte mal was anderes sehen und ist nach Italiern gefahren." Und sie begann zu erzählen, was Wuffel in Italien alles anschauen und erleben würde. Leon hörte aufmerksam zu.
In den folgenden Tagen beobachtete ich immer wieder, dass Leon und Katrin sich über Wuffel unterhielten. Wuffel erlebte in diesen Gesprächen aufregende Abenteuer in Italien und Spanien, es ging ihm gut, und Leon konnte nicht genug von diesen Geschichten hören. Und eines Morgens brachte Kathrin eine Postkarte zum Vorschein, deren Vorderseite ein Bild aus Südspanien zeigte. Sie las Leon den krakelig geschriebenen Text vor: "Lieber Leon, ich bin auf Reisen und habe schon viel gesehen und erlebt. Mir geht es sehr gut, aber ich muss viel an Dich denken und vermisse Dich. Liebe Grüße, Dein Wuffel." Leon strahlte.
Marianne, Erzieherin