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Archiv: Großeltern

Eine Freundin erzählte mir von diesem Projekt, in dem es um Geschichten aus der Kindheit geht. Ich habe nun ein paar von den Geschichten gelesen und musste dabei an meine eigene Kindheit denken. Meine Großmutter wohnte bei uns im Haus, wir hatten ein großes Haus auf dem Land, und nachdem mein Großvater gestorben war, zog sie in ein Zimmer im ersten Stock ein. Dort saß sie am Abend oft, hörte Radio, strickte oder las. Oft ging ich nach dem Abendessen zu ihr, denn es gefiel mir in dem Zimmer. Sie begann dann meist aus ihrem Leben zu erzählen, und sie hatte ein langes Leben und hatte viel zu erzählen. Sie hatte zwei Weltkriege miterlebt, Flucht und Vertreibung, zwei ihrer Kinder starben schon, als sie ganz klein waren. Und doch wirkte meine Großmutter nicht verbittert, sondern gütig, und oft lächelte sie auch in sich hinein, wenn sie eine ihrer Erinnerungen auffrischte. So erfuhr ich viel über die frühere Zeit, und auf mich als Kind machten diese Geschichten ungeheueren Eindruck.

Ich bin nun schon seit Jahren Erzieherin in einem großen Kindergarten und habe angeregt, einmal in der Woche eine Erzählstunde zu veranstalten. Dann sitzen wir Erzieherinnen und die Kinder zusammen, und wer möchte, erzählt etwas, was er erlebt hat. Die Kinder, auch die lebhaften, sind in diesen Stunden ganz ruhig und hören andächtig zu. Und ich muss immer wieder an meine Großmutter denken und daran, wie wir abends in ihrem Zimmer beieinander saßen.

Marianne, 48, Erzieherin

Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit, weil ich wirklich schöne Erinnerungen habe. Wir lebten im selben Haus mit meinen Großeltern zusammen, sodass ich mich so oft wie möglich zu meiner Großmutter schlich, die immer etwas Interessantes tat.
Die schönsten Augenblicke waren im Winter, wenn sie im Ofen Feuer machte, Bohnen enthülste oder an der alten Nähmaschine saß und etwas nähte. In diesen Augenblicken hatte sie Zeit, Geschichten zu erzählen. Wir Kinder klettern auf den Ofen und hörten ihr gerne zu, weil sie manchmal einen Teil der Geschichte neu erfand. Wir wussten das, aber wir unterbrachen sie nicht, und baten sie immer wieder, uns eine Geschichte über den „fetten Knaben, der alles aß“ zu erzählen, oder...
Ich erinnere mich noch immer an diese Geschichten, und mir ist die Vorliebe dazu geblieben, Geschichten „mit dem Mund“ zu erzählen, wie es ein Kind in meiner Gruppe einmal gesagt hat.


Nata_a Majhen

Ich erinnere mich mit Freude und Nostalgie an meine Großeltern väterlicherseits. Ich erinnere mich daran, dass ich fast den ganzen Tag bei ihnen verbrachte – meine Oma war eine sehr gute Köchin, und wenn ich bei ihnen zu Mittag aß, machte sie eine besondere Pasta mit Zucchini und Tomaten – sie wusste, wie sehr ich die mochte!
Ich sah ihr gerne beim Kochen zu und sie erzählte mir dabei vom Krieg und wie sie gelitten hatten. Sie sagte mir, dass es schwer war, zu jener Zeit zu leben, weil sie nicht genug zu essen hatten. Mein Opa wurde „geschnappt“ und nach Deutschland gebracht. Er arbeitete als Gefangener für die Deutschen und wurde dazu gezwungen, Reste zu essen (Kartoffelschalen). Meine Oma musste auf dem Feld arbeiten, um die Kinder großzuziehen. Ich erinnere mich daran, dass sie jedes Mal, wenn ich murrte, dass ich das Gemüse nicht mag, zu mir sagte: „Du solltest im Krieg gelebt haben. Da hättest du sogar die Schalen gegessen.“


Vorschullehrerin, 30, Italien


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